SlimDevices SqueezeBox 3

December 29, 2006

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Schlußendlich ist kurz nach Weihnachten doch noch ein Postpaket gekommen, in der sich die langerwartete SqueezeBox3 von SlimDevices befand. :)

Nun, einfach gesagt, ist die Squeezebox eines der vielen Geräte, die MP3 abspielt. Der Unterschied liegt hier ab im technischen Detail - während die meisten Geräte ala MP3 Player und Co. darauf abzielen, in einem möglichst kleinen und mobilen Gerät MP3's wiederzugeben, zielt die SqueezeBox3 von SlimDevices doch darauf ab, diese Umwandlung von digitalen Bits in analoges Audio möglichst gut zu absolvieren, und das nicht für den mobilen Einsatz, sondern als stationärer Netzwerk-Audio-Player im Rahmen eines HiFi-Konzeptes.

Anschlüsse SB3

Womit wir bereits beim ersten wesentlichen Punkt wären: die SqueezeBox3 wandelt nicht irgendwie um, sondern in dem doch durchaus handlichem Gerät (ca. 20cm x 9cm x 8cm) werkt ein Burr-Brown 24bit DAC (analog via Cinch und Klinkenanschlüsse) bzw. gibts den Audiostream auch digital (optisch und koaxial). Insofern ein technischer Aufwand, der nicht gerade billig ist (die SB3/WLAN hat mit rund €310,- zu buche geschlagen, Stand: 12/2006).

Und der letzte wesentliche Fakt für pro oder contra: die Squeezebox selbst ist im Prinzip absolut dumm, sie benötigt einen Audioserver. Die Schmalspurvariante bedient sich im sog. SqueezeNetwork von Servern im Internet, aber die für die eigentlich essentielle Funktion als Wandler vom MP3 Archiv benötigt man einen PC mit wahlweise Linux oder Windows, wo ein SlimServer installiert sein muss, der das Gerät mit Audiodaten beliefert. Konnektiert wird die SB3 via Ethernet bzw. in der besseren (rund €50,- teureren) Variante auch via WLAN (802.11g mit WPA Verschlüsselung; kein WPA2).

Somit sauteuer, stationär und benötigt noch dazu einen PC der rund um die Uhr läuft. Schaut also nicht gut aus, und für wen diese K.O. Kriterien reichen, der braucht nicht mehr weiterzulesen, alle anderen erfahren wieso wir trotzdem absolut begeistert sind und dieses kleine Gerät ein absoluter Killer ist...

Die Erstinstallation war aufgrund der bereits vorhandenen Netzwerkinfrastruktur ganz leicht: der Slimserver selbst kann entweder als Windows-EXE heruntergeladen werden, für die Linuxvariante (Debian) muss noch das entsprechende Repository in die apt.sources aufgenommen, danach genügt aber nur mehr ein apt-get install slimserver.

Der Slimserver selbst kann bequem über ein Webinterface gesteuert werden, wo man zB die Plattencover schön sieht (natürlich nur sofern im MP3 bzw. im Folder vorhanden). Zum Testen des Slimservers kann man auch sonstige streamingfähige Software ala Winamp verwenden, wobei hier die Vorteile des Slimservers nicht ausgespielt werden. Besser ist hier die inkludierte Softwareemulation SoftSqueeze, die eine Squeezebox vollständig emuliert.

Fernbedienung

Die Squeezebox selbst kann wie von HIFI-Komponenten gewohnt über eine halbwegs hochwertige Fernbedienung gesteuert werden, was im Prinzip auch sehr gut funktioniert, allerdings nicht ganz den Komfort der Weboberfläche bietet. Umfangreichere Playlists wird man eher am PC erstellen, aber für eine normale Bedienung reicht die Fernbedienung voll und ganz aus. Das einzige negative Erlebnis in Zusammenhang mit der Fernbedienung ist die Eingabe vom WLAN Key, wobei das eigentlich nichts mit der Fernbedienung selbst zu tun hat. Ein sicherer und umfangreicher WLAN-Key mit einigen Sonderzeichen benötigt durch seine Zeit, bis man ihn mühselig über die Fernbedienung eingegeben hat. Schön wäre hier die WLAN Konfigurationsmöglichkeit über die Ethernet Schnittstelle, aber vielleicht kommt das ja noch bei einem der nächsten Firmware Updates...

Firmware Update

Apropos Firmwareupdate: ein etwas mulmiges Gefühl hat man bei einem Firmwareupdate eigentlich immer, und gerade bei der Squeezebox muss man sich leider daran gewöhnen, denn bei jedem Update vom Slimserver kommt auch eine neue Firmware mit - die dann Zwangsinstalliert wird, kein Opt-Out möglich. Beim ersten Update in unserem Test über eine Ethernet-Verbindung (Upgrade auf Firmware 55) sieht man technisch ja weniger das Problem, aber später dann über eine so-la-la WLAN Verbindung (Upgrade auf Firmware 77) ist dann das doch eine heiklere Sache... es hat aber zugegebermaßen in beiden Fällen reibungslos funktioniert.

Der Slimserver streamt allerlei Formate, wobei die gebräuchlichsten davon die SB3 nativ erkennt, andere müssen vorher am Server konvertiert werden; dies bietet zwar etwas an Zukunftssicherheit bez. neuer Audioformate, allerdings setzt es dann auch einen schnellen Rechner voraus. Unser Testserver (P3/733MHz) kommt beim on-the-fly konvertieren von AAC auf MP3 mit aktiviertem Crossfading doch leicht in stocken... für Perlprogrammierer ist der Slimserver relativ leicht erweiterbar, da das Opensource Projekt im Quelltext vorliegt, und eine Schnittstelle für eigene Plugins bietet.

Eine Internetanbindung vorausgesetzt streamt der Slimserver auch zahlreiche Quellen aus dem Internet wie beispielsweise Internet Radios oder Podcasts auf die SqueezeBox, aber es lassen sich auf RSS Feeds einbinden und auch Emailkonten abfragen.

SB3 im Einsatz

Die Entscheidung für die Squeezebox war im Vorfeld keine leichte, da es doch eine große Konkurrenz auf diesem Gebiet gibt. Ausschlaggebend war neben dem schönen Design und der guten Verarbeitung dann vorallem das Faktum, dass es sich nicht nur um ein Stück MP3 Hardware handelt, sondern das System als Audio-Gesamtkonzept extrem leicht ausbaubar ist (z.B. mehrere SB3, die in unterschiedlichen Räumen dann unabhängig voneinander betrieben werden können bzw. auch für eine Partybeschallung in jedem Raum synchronisiert das gleiche abspielen) und man das Audiosystem durch den Slimserver (Open Source!) auch unabhängig von Slimdevice Hardware betreiben kann.

Bei der Anschaffung einer SqueezeBox sollte man sich im klaren sein, dass man hier nicht wenig Geld für ein reines Audiogerät ausgibt, das wesentlich mehr als die Konkurrenz kostet und z.B. keine Multimediainhalte auf den Fernseher übertragen kann. Aber es ist für jemanden, der ein qualitativ hochwertige Lösung für das räumliche Abspielen von digitalen Audiodaten, das absolut richtige Gerät, vorallem auch wegen des stimmigen Gesamtkonzeptes. Das Killerkriterium für oder gegen einen Kauf ist im Endeffekt aber der notwendige Server - nur wenn man einen PC rund um die Uhr laufen lassen kann, macht das System sinn; es nur fallweise starten ist zu umständlich und aufwendig, und die vielen Vorteile der SB3 lassen sich nicht mehr effektiv nutzen.

Übrigens, wer das nötige Taschengeld hat: der große Bruder der SqueezeBox - der "Transporter" - ist auf die Anforderungen der anspruchsvollsten HiFi-Liebhaber ausgelegt und kommt neben zahlreichen Profianschlüssen mit dem Wunder-DAC AK4396... kostet allerdings die Kleinigkeit von knapp €2000,-

Technische Daten

  • Produkt: SqueezeBox 3
  • Hersteller: Slimdevices, www.slimdevices.com
  • Produktkategorie: Netzwerk Audio Player
  • Farbe: schwarz oder weiß (Gehäuse), Vorderseite gebürstetes Metal
  • Größe: 192mm x 93mm x 80mm
  • Anschlußvarianten: Ethernet, Ethernet + WLAN (802.11 b/g)
  • DAC: 24bit Burr-Brown
  • Ausgänge digital: optisch, koaxial
  • Ausgänge analog: Cinch, Klinkenstecker
  • Formate komprimiert: AAC, MP2, MP3, MusePack, Ogg Vorbis und WMA
  • Formate komprimiert/verlustfrei: Apple Lossless, FLAC und WMA Lossless
  • Formate unkomprimiert: AIFF, WAV und PCM
  • Betriebssysteme Slimserver: Windows, Linux, MacOS, BSD

Hinweis: dieser Artikel ist ursprünglich auf dem HiFi-Blog "Streaming Audio" (www.streaming-audio.de) erschienen.

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